Kunstakademie Artis

Akademie für Realistische Malerei und altmeisterliche Techniken

Ein Bild auf Leinwand bzw. Paneel übertragen

Malen und Zeichnen sind - obwohl beide Disziplinen viel Verwandtschaft haben - zwei verschiedene Dinge. Lange Zeit wurde behauptet, dass jemand, der nicht zeichnen kann, auch als Maler versagt. Die jüngere Kunstgeschichte zeigt uns, dass dem nicht so ist. Es gibt phantastische Maler, die nicht zeichnen können, und es gibt großartige Zeichner, die nicht malen können. 

In beiden Fällen ist die Wahrnehmung die wichtigste Komponente für den Erfolg. Die Techniken beim Malen sind allerdings umfangreicher als beim Zeichnen.

Wenn Sie denken, dass Sie nicht gut zeichnen können und glauben, dass Sie deshalb wohl auch kein guter Maler werden können, dann kann es sein, dass Sie sich selbst Steine in den Weg werfen. Menschen, die beim Zeichnen eher unbeholfen sind, kompensieren das in der Malerei oftmals mit anderen Techniken, um doch das gewünschte Resultat zu erzielen. 


Wie aber bringt man nun sein Foto, seine Skizze etc. auf das Paneel bzw. die Leinwand?


Seit dem Mittelalter haben Künstler verschiedene Methoden entwickelt, um ihre  Entwürfe auf Bildträger zu bringen. 

Michelangelo hatte, um die 500 m² große Decke der Sixtinischen Kapelle zu bemalen, eine eigene Technik entwickelt. 

Die vielen Einzelbilder und -szenen wurden in realer Größe auf einzelne Kartons gezeichnet und die Konturen mit tausenden von kleinen Löchern versehen. Die Kartons wurden anschließend mit kleinen Nägeln an der Decke befestigt und Holzkohlepulver in die Löcher geblasen. 

So konnte man die Konturen auf dem nassen Kalk gut sehen.

Albrecht Dürer entwickelte 1506 einen Apparat, mit dem sich Perspektive festlegen lassen und auf Leinwand übertragen werden konnte.


In den letzten Jahrzehnten benutzten Künstler Projektoren. Inzwischen gibt es Kopierapparate und Beamer, die helfen, um ein Bild auf die Leinwand zu bringen.

Eine weitere Methode ist das Pausen von Abbildungen. Das geht ganz einfach: mit einem weichen Bleistift legen Sie auf der Rückseite Ihres Fotos oder Entwurfs eine gleichmäßige Grafitfläche an, legen das Papier mit der Grafitschicht auf Ihre Leinwand oder Ihr Paneel und ziehen auf der Vorderseite mit einem harten Bleistift die Konturen nach. Alternativ gibt es im Künstlerbedarf Saralpapier in verschiedenen Farben zu kaufen, das wie Pauspapier funktioniert.

Die letzte Methode ist das  Rastern. 

Angenommen, Ihr Foto hat das Format 30 x 40 cm. Das wollen Sie auf eine Leinwand von 60 x 80 cm übertragen. Man rechnet in dem Fall die Länge (oder Breite) der Leinwand geteilt durch die Länge (oder Breite) des Fotos.

80 cm : 40 cm = 2 cm

2 cm – das wäre die Größe für die einzelnen Kästchen auf der Leinwand. Auf Ihrem Foto aber beträgt die Kästchengröße 1 cm.

Durch die Einteilung in ein Raster entstehen viele kleine Einzelbilder, die viel genauer übertragen werden können, als wenn man freihand zeichnet. Achten Sie darauf, dass die Kästchen in jedem Fall alle gleich groß sind. Und es müssen immer!!! Quadrate sein, sonst wird das Bild beim Abzeichnen verzerrt.

Wenn Sie mit dieser Methode arbeiten, dann benutzen Sie bitte für das Raster auf der Leinwand einen nicht zu dunklen Aquarell-Buntstift, denn der kann mit Flüssigkeit einfach weggewaschen werden. Verwenden Sie keinen Bleistift. Die Vorzeichnung wird dadurch oft sehr unsauber, wenn man versucht, das Raster wegzuradieren. Und oftmals scheinen die Bleistiftlinien durch das fertige Bild hindurch, was ebenfalls sehr unprofessionell wirkt.


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